Haridwar

Indien’s heilige Stadt am Ganges

Shiva-Statue im Swami Vivekananda Park, Haridwar

Die Stadt

Im Jahr 2018 besuchte ich auf einer Reise durch Indien die Stadt Haridwar im Norden des Landes. Sie zählt zu den sieben heiligen Städten der Hindus und liegt am Ufer des Ganges, der in Indien als heiliger Fluss gilt.

Haridwar ist nicht nur heilige Stadt der Hindus, sondern gehört auch zu einer handvoll Städten in Indien, in denen in regelmäßigen Abständen Kumbh Mela, das Krugfest, in großem Rahmen zelebriert wird. Zu Anlass dieses Festes unterziehen sich Millionen von Gläubigen Waschungen im Ganges, um sich durch das Wasser des heiligen Flusses rituell zu reinigen.

Ankunft

Von der „Yoga-Hauptstadt“ Rishikesh am Fuße des Himalaya aus erreichte ich Haridwar spät am Abend per Taxi. Vorab hatte ich bereits ein Hotel mitten im Zentrum der Stadt gebucht. Der Fahrer fand dieses nicht auf Anhieb, so dass wir einige Minuten suchend durch die engen Gassen des Stadtzentrums fuhren. Schließlich stieg ich vor einem Hotel aus, das sich jedoch trotz Namensähnlichkeit als das Falsche entpuppte.

Da ich mir die Lage meines Hotels auf dem Stadtplan eingeprägt hatte, wusste ich, dass es nichtsdestotrotz ganz in der Nähe gelegen sein musste. Also machte ich mich mit meinem Gepäck auf die Suche. Der Taxifahrer war ohnehin bereits abgefahren.

In einer Gasse traf ich einen kleinen Jungen, den ich nach dem Weg fragte. Die Verständigung mit Händen und Füßen klappte überraschend gut. Der Junge bedeutete mir, ihm zu folgen, und im Handumdrehen stand ich vor der richtigen Unterkunft.

Das Hotelzimmer war klein, verfügte jedoch über eine Klimaanlage. Eine Duschmöglichkeit war ebenfalls vorhanden. Insgesamt machte das Hotel einen guten Eindruck und ich verbrachte dort eine ruhige, erholsame Nacht.

Auf Erkundungstour

Am nächsten Morgen deponierte ich mein Gepäck an der Rezeption und machte mich auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Erst am Abend würde mein Zug nach Neu-Delhi gehen, so dass den ganzen Tag Zeit blieb, die Stadt kennenzulernen.

Zunächst ging ich zum Ufer des Ganges. Ich beabsichtigte, dem Ganges bis zu einem von Gläubigen stark frequentierten Bezirk zu folgen, diesen zu besichtigen und danach auf einem anderen Weg durch die Stadt zum Hotel zurückzugehen.

Ufer des Ganges, Haridwar

Die Sonne brannte heiß und ich begann schnell zu schwitzen. Am Ufer des Ganges saßen Menschen im Schatten von Bäumen, dösten, aßen oder beobachteten ihre Umgebung. Vereinzelt sah ich Menschen, die am Rand des Ganges im Wasser standen, um sich zu waschen. Schließlich suchte ich mir einen ruhigen Platz auf den Stufen, die ins Wasser führen, um mich etwas auszuruhen.

Dort saß ich für einige Zeit, bis sich ein schätzungsweise 50-jähriger Inder rauchend neben mich setzte und ein Gespräch begann. Dem Geruch nach zu urteilen, rauchte er keinen gewöhnlichen Tabak. Nach einem kurzen Small Talk setzte ich meinen Spaziergang fort.

Der Anblick eines auffälligen Gebäudes weckte meine Neugierde aus der Ferne. Ich beschloss, diesem einen Besuch abzustatten. Wie vermutet, handelte es sich um einen Ashram.

Anschließend setzte ich meinen Weg entlang der geplanten Route fort. Unterwegs fielen mir im Bereich, in dem sich Gläubige in größerer Zahl tummelten, um sich im Ganges zu waschen, an mehreren Stellen kunstvolle, religiöse Statuen auf. Diese zeigten beispielsweise den Gott Shiva und ware in den Fluten des Ganges verankert.

Har Ki Pauri & Swami Vivekananda Park

Mein nächstes Ziel waren der Har Ki Pauri Tempel und der nahegelegene Swami Vivekananda Park, der schon von Ferne aufgrund der dort aufgestellten, hoch aufragenden Statue des Hindu-Gottes Shiva (Bild am Textanfang) meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Als ich mich dem Gelände rund um Har Ki Pauri näherte, nahm die Anzahl der Menschen sprunghaft zu, die sich im Ganges wuschen.

Mein Weg führte mich an Menschenansammlungen vorbei, die sich auf ihr Bad im Fluss vorbereiteten. In dieser Zone traf ich auf Uniformierte – ich hielt sie für Soldaten des indischen Militärs – die um einen kleinen Tisch herumstanden. Ein Uniformierter sprach mich an und verlangte Geld von mir, wenn ich mich den Gläubigen weiter nähern wolle.

Anders als zuvor in Rishikesh, wo ich zahlreichen Menschen begegnete, die bereits auf den ersten Blick als Ausländer zu identifizieren waren, war ich an diesem Tag in Haridwar weit und breit der einzige westlich aussehende Mensch. Daher war ich mir nicht sicher, ob man mir nicht unter Ausnutzung meiner Unkenntnis der örtlichen Gepflogenheiten ein paar Rupien abzuknöpfen versuchte.

Har Ki Pauri, Haridwar

Da in diesem Bereich, verglichen mit meinen bisherigen Eindrücken der Stadt, eine hektische Stimmung herrschte und ich bereits genug gesehen hatte, um mir ein Bild zu verschaffen, lehnte ich freundlich ab und ging weiter zum Swami Vivekananda Park.

Dort fand ich etwas Ruhe und Schatten in einem schönen und gepflegten Park. Bald näherte sich mir eine indische Familie mit mehreren jungen Kindern und bat mich um gemeinsame Fotos mit ihnen. Gerne machte ich ihnen die Freude und die Kinder waren glücklich.

Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum, setzte ich mich an eine Stelle am Ufer des Ganges, die mir wie gelegen für einen Moment der Stille und ein wohltuendes Bad in der Nachmittagssonne erschien. Verschiedene kleine, offensichtlich religiöse Figuren ragten an dieser Stelle aus dem Wasser oder waren am Ufer platziert worden.

Religiöse Figuren am Ufer des Ganges, Haridwar

Die anfängliche Ruhe war jedoch bald vorüber, als wenige Meter weiter zwei Männern heftig zu diskutieren anfingen, wobei der eine dabei mit einem Teppichmesser wild in der Luft herumfuchtelte, während er intensiv auf den anderen einredete.

Ich ließ mich zunächst nicht stören. Doch nach einiger Zeit kam der Teppichmesser-Mann unvermittelt zu mir herüber und fragte mich recht unfreundlich, was ich hier tue. Er wirkte, als sei er angetrunken. Während er sprach, spielte er demonstrativ mit seinem gezücktem Teppichmesser herum. Ich antwortete ihm lakonisch, dass ich die Sonne genieße.

Die Antwort schien ihn zufriedenzustellen oder zu verwirren und er verzog sich rasch wieder. Allerdings wirkte er nicht recht bei Sinnen und sein fortgesetztes Gebaren passte ganz und gar nicht zur zuvor so friedvollen Atmosphäre des Ortes. Da das lautstarke Diskutieren demzufolge nicht abriß und mit der Zeit sehr störend wirkte, machte ich mich auf den Weg zurück Richtung Hotel.

Durch die Gassen der Stadt

Dabei durchquerte ich bald eine Art Basar, auf dem links und rechts des Weges Stände angebracht waren, an denen Tücher, Ketten und andere exotische Gegenstände feilgeboten wurden. Ich sah mich interessiert um und beobachtete das rege Treiben.

Schließlich gelangte ich durch ein Netz aus engen, verwinkelten Gassen in ein ruhigeres Viertel. Da ich mittlerweile sehr hungrig war, machte ich mich auf die Suche nach einem Restaurant. Ich fand ein kleines Lokal, das authentisch wirkte und zu dieser Zeit mitten am Nachmittag leer war. Ich ließ mich nieder und bestellte auf gut Glück ein scharfes Gericht, dessen Namen ich leider vergessen habe, obwohl es mir gut schmeckte.

Gestärkt und gesättigt ging ich zurück zum Hotel, da der Zeitpunkt der Abfahrt näherrückte. Ich holte mein Gepäck ab und begab mich zum Bahnhof, von wo ich mit dem Zug nach Neu-Delhi abreisen sollte.

Zugfahrt nach Delhi

Anders als auf der Zugfahrt von Neu-Delhi nach Rishikesh, hatte ich dieses Mal einen Platz in einem Zugabteil reserviert, in dem die Passagiere verpflegt wurden. So hatte ich nicht nur genügend Platz, um komfortabel zu sitzen, sondern erhielt auf der mehrstündigen Fahrt zudem noch in regelmäßigen Abständen Snacks und Mahlzeiten von den Zugbegleitern gereicht.

Nach einer erstaunlich angenehmen Fahrt, erreichte ich schließlich mein nächstes Ziel Neu-Delhi als die Nacht längst hereingebrochen war…


Bilder und Text © Michael Metzger, 2021. Alle Rechte vorbehalten.

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